Einen Oldtimer G Klasse kaufen Frühjahr 2019

Der Gedanke an eine G Klasse beschäftigt mich schon lange. Es war ungefähr Anfang 80 da fuhr eine weiße G Klasse vor mir her in den Dolomiten bei ca. 30 cm Schnee auf den Straßen. Ich fand den Geländewagen purer Luxus, SUV gab es noch nicht. Damals fuhr ich noch Sportwagen bevorzugt 2 oder 3 Sitzer.

Seit geraumer Zeit kaufe ich mir Oldtimer, die ich irgendwann mal haben wollte. Nicht alle Autos die ich mal gut fand, aber es ist mein dritter und letzter Wunscholdtimer. Die beiden anderen behalte ich aber auch.

Zuerst habe ich mir Angebote im Netz angesehen. Die Preise variieren stark. Es kommen ja nur Fahrzeuge bis Baujahr 1989 infrage (geringe Oldtimer Versicherung/ und geringe Oldtimer Steuern/ Oldtimer Umweltplaketten Befreiung).

Die Modellvielfalt war mir nicht klar, dazu habe ich mir den Praxisratgeber Klassiker Kauf Mercedes Benz G Klasse von Heel gekauft. Ein sehr guter Einstieg für sehr wenig Geld. Von Auto Motor Sport "40 Jahre G Klasse" ebenfalls sehr zu empfehlen. Klassik Data bringt ja jährlich die Preislisten raus. In 2019 werden G Klasse Autos so bewertet.

Da ich dieses Mal keine Grotte kaufen wollte habe ich mich für einen Zustand 3 entschieden, bezahlbar, TÜV frei und es gibt noch genug zu tun.



Konkrete Vorstellungen hatte ich schon:

•      Auf jeden Fall eine kurze Version, die langen G sehen aus wie Baustellenfahrzeuge, damit fallen geschätzt 50% der Angebote hinten runter.
•      Weiß, Schwarz oder Silber. Völliger Quatsch, in der Regel ist eine Neulackierung notwendig und im Innenraum sind nur ein paar Zentimeter Lack.
•      Ein 280, oder 300 GD wäre schön. Der Verbrauch der alten Benziner ist schmerzhaft hoch.
•      Die schwarzen Kotflügelverbreiterungen müssen sein, sonst sieht der G wie ein Unimog aus.
•      Ein Fünfsitzer damit die zivile Nutzung deutlich wird.
•      Auf keinen Fall ein Ex Armee Fahrzeug und kein Wolf.
•      Schön wäre TÜV frei und H Gutachten, ein seit Jahren stillgelegter G frisst für Vollabnahme und H Gutachten schon wieder 1000 Euro Verwaltungsgebühr.
•      Vorne originale MB Recaro Schalensitze und die originalen Alufelgen aus der Zeit würde die Sache abrunden.

Für den ersten G bin ich drei Stunden in die Niederlande und auch wieder zurück gefahren. Tolle Optik, weiß, leider kein Fünfsitzer, er hat einen neuen holländischen TÜV. Er sieht aus wie ein guter Zustand drei (13.000 Euro soll er kosten). 1.300 Euro über Klassik Data Liste, das wäre in Ordnung gewesen.





Wie kann so ein Auto mit den Fotos Schrott sein? Mit holländischen Händlern habe ich Erfahrung von meiner Pagode.

Die Probefahrt lief gut, meine erste Fahrt im G. Er ist viel leiser als befürchtet, meine Pagode ist lauter. Aber ein absolut abgerittenes Fahrzeug. Als 5 Gang angeboten war aber nur 4 Gang, kein Betrug :-) war nur ein Übertragungsfehler, Modergeruch von Feuchtigkeit innen, wie in einem alten Kartoffelkeller. Die Differential Sperren sind wirkungslos, Sitze relativ neu bezogen und durchgesessen, überall Rost Weiß bez. Schwarz übergepinselt, wir wissen es alle, Fotos kann man vergessen und trotzdem fallen wir immer wieder..... Alle Innenkotflügel waren mit großen Löchern durchgerostet, die Holme und Rahmen waren offen. Wer ärgert sich nicht mal über den deutschen TÜV, nach dem Fahrzeug bin ich froh, dass wir keinen holländischen TÜV haben. Der Zustand ist eine 4,5 und damit 8.000 Euro zu teuer, dachte ich....

Auf der Techno Klassik in Essen habe ich am Stand G Klasse Club MB das Gespräch gesucht. Klare Meinung, einen Zustand 3 gibt es nur deutlich über 20.000 Euro. Und die kurzen G wären gefragter und teurer. Im Internet finde ich die Aussagen bestätigt. Das Angebot ist auch relativ klein. Bis 15.000 Euro Fahrzeuge sind europaweit immer ca. 15 Autos mit meinen gewünschten Eigenschaften im Netz, überwiegend in Belgien, Niederlande, viele in Italien und Polen. In Deutschland z.B. seit Jahren stillgelegt (z.B. in Bremen), mit meinem Beute Schema 8 - 9.000 Euro für durchgerostete Grotten. Fahrzeuge in ehrlichen Zustand zu Classik Data Preisen gibt es nicht, warum auch immer. Auf jeden Fall ist das Angebot zu klein und die G Klasse aus meiner Sicht mit stark steigender Tendenz.

Dann fand ich einen weißen G in Polen. Preis stimmt, Optik stimmt „auf den Fotos“. Falsche Lenkrad, falsche Sitze, falsche Rückleuchten, "Huhn als Fasan", 800 Kilometer entfernt, Kurzzeitkennzeichen bekommt man hier nur mit gültigen TÜV, polnisches Kurzzeitkennzeichen bekommen nur Polen, Autoanhänger fällt flach, welcher Wagen darf schon 2500 kg incl. Anhänger ziehen, ein LW Transporter kostet 400,- Euro nass täglich und zweit Tagesreisen um festzustellen, Wagen Schrott? Der geforderte Preis war 9.900 Euro. Wenn es nicht "Polen" wäre, zusätzlich Transport ca. 800,- Euro und ca. 1000 Euro TÜV Vollabnahme und H Gutachten, wenn alles in Ordnung ist.

Was war schon auf den Bildern falsch:








Ich hatte schon per Mail einen Kaufvertrag, wollte fünf Tage später hinfahren, da fand ich meinen Wagen an der tschechischen Grenze. Beim ersten Telefongespräch das Angebot vom Verkäufer, über den Preis können wir noch reden. Es wäre ein abgebrochene Restauration.

•    TÜV noch 18 Monate
•    H Gutachten
•    Recaro MB Vordersitze
•    5 Sitzer
•    Silber Metallic
•    Originale Alufelgen
•    Schwarze Kotflügel Verbreiterungen
•    5 Gang
•    300 GD
•    Preis attraktiv, Gier frisst Hirn...

Die Fotos hatte ich vor der Besichtigungsfahrt. Der Verkäufer sagte ehrliche Fotos, nicht geschönt, wie man sehen kann.

 

 

 

 

 

 

Hals über Kopf bin ich 500 Kilometer zur tschechischen Grenze gefahren. Ich fahre berufsbedingt
sehr viel Auto zu Meetings, aber nicht in die Pampa. 500 Kilometer können gefühlt 700 sein, von der Fahrzeit her auf jeden Fall. Ich denke über 200 Kilometer Bundes- und Landstraßen.
Egal ich war nach 7 Stunden da, natürlich weiß ich, worauf man bei Oldtimer achten muss und die speziellen G Klasse Dinge hatte ich mir angelesen. Alles Theorie, ich hatte keine Zeit, ich musste ja wieder „700" Kilometer zurück, Fahrzeug war abgemeldet, wusste ich vorher, Probefahrt 50 Meter ohne Nummer. Seit Tagen trockenes Wetter, usw. Mit Rechnungen und Kaufvertrag hat mir der Verkäufer belegt, dass er in einem halben Jahr durch den Verkauf 6.000 Euro verliert. Was war am Zustand negativ:

•    Beide Kotflügel vorne durchgerostet.
•    Rostansatz am Fensterrahmen.
•    Die Fahrertüre sackt nach öffnen über 1 cm ab.
•    An der Hecktür unten das Scharnier ab gerostet.
•    Die Rücklichter haben beide starke Durchrostungen.
•    Unter allen Teppichen ist Wasser.
•    6 cm höher gelegt mit Spezialfeden.
•    Alle Türverkleidungen am Ende

       Ein 5 Gang Schwerlastgetriebe, also nur 4 Gänge. Der 5. Gang hat die Übersetzung 1:1.

Es ist ein Restaurationsobjekt und ich habe gekauft. Den Wagen angemeldet und eine Woche später abgeholt. Der Verkäufer war sehr entgegenkommend, ich bekam noch zusätzlich eine Bedienungsanleitung, ein Reparaturbuch, neue Frontscheibe, neue Frontscheiben Dichtung, neuer Anlasser und viel originale neue Kleinteile.

Auf der Rückfahrt musste ich die restlichen 180 Kilometer in der Dämmerung/ im Dunkeln ohne Licht fahren, die Lichtmaschine war ausgefallen. Meine Vermutung waren die Reglerkohlen und so war es auch, denn die Motorkühlung funktionierte noch. Ein Diesel läuft ja auch fast ohne Spannung/ Strom. Ich habe mich auf der Autobahn immer dicht hinter den LKW's gehangen, das ging.

Dann stand er auf meiner Einfahrt......